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Das erwartete Kind ist da und plötzlich kommt alles anders als
erträumt? Statt Mutterglück nur Tränen, Unsicherheit, Angst?
Dieses Phänomen ist nicht selten, denn weitaus mehr Frauen als gemeinhin
angenommen geraten nach der Geburt eines Kindes in eine Krise.
Frauen, die dies erlebten und Menschen, deren nächste Angehörige
von einer Krise nach der Geburt betroffen
waren und die in dieser schweren Situation nicht die Hilfe fanden,
die sie so dringend benötigt hätten, haben sich zusammengeschlossen
und diesen Verein gegründet.
Seit Sommer 1996 besteht der Verein Schatten & Licht - Krise
nach der Geburt e.V... Wir sind ein bundesweiter Verein, der sich
zu Ziel gesetzt hat, von postnatalen Depressionen betroffenen Frauen
(und natürlich deren Angehörigen) zu helfen.
Eines der Gründungsmitglieder ist Petra Nispel, die 1994 als erste
den Schritt in eine breite Öffentlichkeit unternahm, um auf die
Problematik der postnatalen Depression (PND) aufmerksam zu machen.
Sie nahm an einer Talkshow teil, die sich mit dem Thema befaßte.
Die Resonanz auf diese Sendung war unglaublich.
Die meisten Mitglieder lernten sich aufgrund ihrer Initiative kennen.
Mittlerweile hat Petra Nispel ein Buch geschrieben (Mutterglück
und Tränen), das den aktuellen Stand der Fachliteratur zusammenträgt
und in das viele Erlebnisse und Erfahrungen betroffener Frauen eingeflossen
sind.
Die Krise nach der Geburt gliedert sich in drei verschiedene
Kategorien, deren Grenzen fließend sein können.
Babyblues - Heultage
Der Babyblues bezeichnet ein kurzfristiges Stimmungstief in den
ersten zehn Tagen nach der Entbindung. Er entsteht meist zwischen
dem 3. und dem 5. Tag. Vor allem die drastische hormonelle
Veränderung, die mit dem Tag der Niederkunft einsetzen, sowie die
völlig veränderte Lebensituation werden als Auslöser für den Babyblues
angesehen
Die typischen Kennzeichen der Heultage können sein:
- Traurigkeit und häufiges Weinen,
- Empfindsamkeit und Stimmungsschwankungen,
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Schlaf- und Ruhelosigkeit,
- Ängstlichkeit und Reizbarkeit,
- Konzentrationsschwierigkeiten
Postnatale Depression
Postnatale Depression kann jederzeit im ersten Jahr nach der Geburt
des Kindes entstehen. Dabei sind graduelle Abstufungen von leicht
bis schwer zu unterscheiden. Typisch ist jedoch eine schleichende
Entwicklung. Die Kennzeichen einer solchen Depression können sein:
- Müdigkeit, Erschöpfung und Energiemangel
- Traurigkeit, häufiges Weinen undinneres Leeregefühl, Schuldgefühle,
- allgemeines Desinteresse und sexuelle Unlust,
- Konzentrations- Appetit- und Schlafstörungen,
- Kopfschmerzen, Schwindel und Herzbeschwerden ...
- Ängste, extreme Reizbarkeit, Panikattacken und Zwangsgedanken
(wiederkehrende destruktive Vor-stellungen und Bilder)
- sowie Selbstmordgedanken, zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber,
Wochenbettpsychose - Postnatale Psychose
Die postnatale bzw. postpartale Psychose, die Wochenbettpsychose,
gilt als die schwerste, aber seltenste Form der nachgeburtlichen
Krise, in deren Verlauf die betroffene Mutter den Kontakt zur Realität
verlieren kann. Sie kommt bei einer bis drei von 1000 Müttern vor.
Die postnatale Psychose entsteht vorwiegend in den ersten
zwei Wochen nach der Entbindung, kann sich aber auch aus einer Depression
entwickeln. Es lassen sich folgende Formen unterscheiden
- manisch:, starker Antriebssteigerung, motorischer Unruhe, Verworrenheit
und Wahnvorstellungen.
- depressiv:, mit extremen Angstzuständen, Antriebs-, Bewegungs-
und Teilnahmslosigkeit.
- schizophren: mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Antriebsarmut.
Die Ursachen für das nachgeburtliche Stimmungstief sind so vielfältig
wie das jeweilige Erscheinungsbild der Krise.
In der Literatur wird heute ein multifaktorieller Ansatz als Erklärungsversuch
für die Ursachen der PND herangezogen.
Dabei spielen:
- biologische (z.B. Ungleichgewicht des Hormonhaushaltes, Schilddrüsenschwäche)
- Psychische (z.B. ein traumatisches Geburtserlebnis)
- sowie gesellschaftliche Gründe (Mutter-Mythos)
eine Rolle.
Jede Frau hat ihre eigene spezifische physische und psychische
Grundausstattung und ihr eigenes, individuelles Lebensumfeld.
Somit variieren die Ursachen die in postnatale Probleme münden können,
von Frau zu Frau.
Schatten & Licht -Krise nach der Geburt e.V. wendet sich an
all die Frauen, die nach der Geburt eines Kindes in eine Krise geraten
sind, die feststellen, daß mit dem Einzug eines Babys nicht automatisch
alles klappt.
Wir wollen helfen, betroffenen Frauen den Erfahrungsaustausch zu
ermöglichen. Dazu haben wir auch eine Kontaktliste, in die sich
alle Frauen aufnehmen lassen können, die Gesprächspartnerinnen in
ihrer Nähe suchen oder bereit sind eine Selbsthilfegruppe zu gründen.
Aus eigener Erfahrung sind wir vom Prinzip der Selbsthilfegruppen
überzeugt. Das offene gegenseitige Gespräch kann sehr viel Last
von den Schultern nehmen. Es ist ein Weg aus der Isolation, in die
viele Betroffen Mütter geraten, weil sie denken sie seien allein
mit ihren Problemen.
Wir unterstützen Frauen, die selbst die Initiative ergreifen wollen,
um anderen Frauen und eine Selbsthilfegruppegründen wollen.
Wir knüpfen ständig Kontakte mit Fachleuten, die sich auf dem Gebiet
der PND auskennen und an die wir hilfesuchende Frauen weiterleiten
können. Leider sind es immer noch viel zu wenig GynäkologInnen,
PsychologInnen, PsychiaterInnen, und TherapeutInnen, denen die postnatale
Problematik bekannt ist.
Wir wollen schwangeren Frauen und solche, die sich ein Kind wünschen,
informieren. So sollte unseres Erachtens in jedem Geburtsvorbereitungskurs
und in jedem Baby-Ratgeberein Hinweis auf mögliche Probleme nach
der Entbindung gegeben werden.
Wir wollen den Mythos der allzeit glücklichen und perfekten Mütter
korrigieren, um den Müttern den hohen Anforderugsdruck zu nehmen,
den sie sich selbst und den die Gesellschaft ihnen auferlegt. Zur
Verwirklichung dieser Ziele organisieren wir Vorträge und veröffentlichen
Informationen in der Presse und stehen jederzeit mit Auskünften
zur Verfügung.
Wir können keine Therapie ersetzen. Wir sind jedoch bereit ein Tabu
zu brechen und über unsere Erfahrungen zu berichten. Wir wollen
versuchen, möglichst vielen Frauen zu helfen.
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